Das sind wir beim ALEP e.V.
"Ich glaube, der Blick auf betreutes Wohnen, oder in unserem Fall konkret ‚Betreutes Jugendwohnen‘, ist mit diversen Stigmata belastet. Wir wollen der Gesellschaft und der Politik zeigen, dass hier wunderbar großartige Menschen sind, die auf ganz viel Bock haben und einfach nur den richtigen Raum und den richtigen Rahmen brauchen, um wachsen zu können.“
VICTORIA
Sozialpädagogin, BJW Berlin
Victoria hat ursprünglich Sozialpädagogik im Bachelor studiert – mit dem Ziel, im Mutter-Kind-Bereich zu arbeiten.
Doch als sie 2014 erstmals mit der Betreuung von Jugendlichen mit Fluchthintergrund in Berührung kam, hat sich ihr Fokus verändert. Die meisten Jugendlichen, die neu in Deutschland ankommen, sind in der Regel ohne Angehörige, ohne Familie. Diese spezielle Lebensphase miterleben und begleiten zu dürfen, ist für Victoria etwas ganz Besonderes. Auf die Frage, was diese jungen Menschen brauchen, hat sie eine klare Antwort: Menschen, die eine Beziehung eingehen und aushalten können, was die Jugendlichen alles erlebt haben. Gleichzeitig darf es in dieser herausfordernden Lebensphase auch darum gehen, wieder mehr Leichtigkeit zu spüren und einfach miteinander Spaß zu haben. All das miterleben zu können, ist der Kern dessen, was Victoria an ihrem Beruf so gefällt.
Angefangen hat Victoria beim ALEP e.V. als Sozialpädagogin, doch bereits nach knapp einem Jahr wurde sie zur Einrichtungsleitung berufen. Hier ist sie – neben der Beziehungsarbeit – auch stark in administrative und bürokratische Aufgaben der Sozialarbeit eingebunden. Daher kann sie nicht immer dabei sein, wenn ihr Team an den Gruppentagen mit den Jugendlichen kocht, Spiele spielt oder Ausflüge plant. Gern stellt sie sich kurz daneben und beobachtet voller Freude das fröhliche Treiben.
Manchmal kommen die Jugendlichen nach einem herausfordernden Schultag aber auch direkt zu ihr. Dann trinkt Victoria einen Kaffee mit ihnen und die Jugendlichen beginnen zu erzählen, was sie beschäftigt – so, wie es jedes andere Kind auch tun würde, wenn es nach Hause kommt. Und genau das ist das eigentliche Ziel: Victoria und ihr Team wollen den Jugendlichen ein Zuhause bieten für die begrenzte Zeit, die sie beim ALEP e.V. verbringen. Sie möchten einen Ort schaffen, an dem die Jugendlichen ankommen, Wärme erfahren und sie selbst sein dürfen, um ihnen so einen guten Start in ein selbstständiges Leben zu ermöglichen.
Ohne ein Team, das zusammenhält, würde das allerdings nicht funktionieren. Die gelebte Vielfalt spielt dabei eine große Rolle. Alle sind unterschiedlich alt, stammen aus verschiedenen Kulturen, doch eines vereint: Sie wollen voneinander lernen und gemeinsam etwas erschaffen. Für Interessierte ist der Weg zum ALEP e.V. immer offen. Einige Kolleginnen und Kollegen haben mit einem Praktikum begonnen, andere hier ihr Praxissemester absolviert, was schließlich in einer Festanstellung mündete – oder, wie in Victorias Fall, in einer Leitungsstelle.
Ihren Jugendlichen wünscht Victoria von Herzen, dass sie die starken Menschen bleiben, die sie bereits sind, und dass sie ihren Weg so mutig weitergehen, wie sie ihn begonnen haben. Genau wie Victoria selbst.
„Ich bin nach Berlin gekommen ohne Plan, ohne jegliche Ahnung von diesem Beruf, bis mir jemand gesagt hat: Du kannst Erzieher werden, da kann man mit Jugendlichen arbeiten. Da habe ich einfach unterschiedliche Träger angerufen und gefragt: „Kann ich mal zu euch kommen? Kann ich mir das angucken?“
CHRIS
Sozialpädagoge, BJW Berlin
Chris spürte mit Anfang 40, dass etwas in seinem Leben fehlte. Dass all die Berufe, die er bis dahin erlernt hatte, ihm nicht den tieferen Sinn und die Freude gebracht hatten, die er suchte. Also hat er seinen Job gekündigt, alles verkauft und sich nach Berlin aufgemacht, um sein berufliches Glück zu finden.
Ursprünglich hat Chris das Konditorhandwerk gelernt, danach in einer Druckerei und schließlich in der Automobilbranche gearbeitet, bevor er auf dem zweiten Bildungsweg Erzieher wurde. Heute arbeitet er beim ALEP e.V. Dank einer Ausnahmegenehmigung vom Senat als Sozialpädagoge mit unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen und hat damit den Beruf gefunden, der ihn wirklich erfüllt.
Es ist nicht so, dass ihm seine vorherigen Jobs nicht sinnvoll erschienen: „Wenn jemand eine Torte herstellen kann und jemand anderen damit glücklich und satt macht, ist das sehr sinnhaft“, bekräftigt Chris. Dennoch ist es nicht dasselbe, wie mit Menschen zu arbeiten, die man durch schwierige Lebensphasen hindurch in die Selbstwirksamkeit begleitet. Diese Arbeit ist für Chris weitaus erfüllender, als an irgendeiner Maschine zu sitzen und einen Knopf zu drücken, wie er es ausdrückt. Verdienen tut er dabei gut, aber Geld ist nicht das Wichtigste – die Wirksamkeit seiner Arbeit zählt für ihn am meisten. Genauso wie der Zusammenhalt im Kollegium.
Hier arbeiten alle miteinander, das wurde bereits beim ersten Gespräch mit der damaligen Leitung klar. Chris war regelrecht überrascht über den positiven, ersten Austausch. Aus der Arbeitswelt war er bisher ganz anderes gewohnt, mit ihren ungeschriebenen Gesetzen, wie man sich bewegen und zu geben hat. Hier ist alles entspannter, das Team gleichgestellt und auf Augenhöhe.
Gleichzeitig muss man auch für den sozialen Beruf gemacht sein. Chris hat gelernt, sich professionell abzugrenzen. Er nimmt nicht viel mit nach Hause. Manchmal jedoch, wenn er mit einem der Jugendlichen den Fragenkatalog für die Asylanhörung durchgeht und sie ihm ihre bewegenden Flucht- und Lebensgeschichten erzählen, hinterfragt er, warum er noch am selben Morgen darüber nachgedacht hat, wie groß sein nächster Flachbildfernseher sein muss. Diese Gleichzeitigkeit der Lebensrealitäten zu akzeptieren, ist manchmal schwierig
Ansonsten gibt es wenig, was ihm an diesem Beruf schwerfällt. Besonders schön findet Chris, wenn die jungen Leute beginnen, eine Beziehung zu ihm aufzubauen. Wenn sie ihm ihre Probleme anvertrauen und Chris dafür eine Lösung findet. Das Beste an dem Beruf ist jedoch, wenn die Jugendlichen auch nach Jahren immer wieder zu Besuch kommen und von der schönen, gemeinsamen Zeit erzählen. Wenn die Verbindung, die einmal zwischen Fremden geknüpft wurde, bleibt.
Für Chris ist ALEP e.V. der Träger, der ihm die Tür zu dieser Welt, in der er mit Menschen arbeiten kann, geöffnet hat. Für ihn ist klar: Er wird sie erst am Tag seines Renteneintritts hinter sich schließen.
„Alep e.V. ist für mich Vertrauen, Teamarbeit, gemeinsames Wachsen.“
SELINA
Sonderpädagogische Fachkraft, BJW
Selina wollte schon immer etwas bewirken. Nicht nur in der Theorie arbeiten, sondern Menschen auf ihrem Weg begleiten. Nach dem Abitur studierte sie zunächst Gesundheitswesen dual, absolvierte anschließend eine Ausbildung zur Erzieherin und sammelte Erfahrungen in der Altenpflege, in Kitas und schließlich im Jugendamt. Immer auf der Suche nach einem Ort, an dem sich ihr Tun wirklich stimmig anfühlte. Gefunden hat sie ihn in der Kinder- und Jugendhilfe beim ALEP e.V.
Um hier anzukommen, brauchte es einen mutigen Schritt. Selina wechselte die Seiten: vom Jugendamt zum Träger. Weg vom Schreibtisch, von Akten und Fallentscheidungen, hin zu den Kindern und Jugendlichen, deren Entwicklung sie als sonderpädagogische Fachkraft unmittelbar begleiten darf. Heute betreut Selina sogenannte §35a-Fälle. Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf, bei denen nicht selten belastende Erfahrungen oder Traumata eine Rolle spielen. Für sie beginnt jede Unterstützung mit einer Frage: Was benötigt dieses Kind gerade wirklich? Um darauf Antworten zu finden, braucht es Feingefühl, Geduld und die Bereitschaft, Beziehungen langsam wachsen zu lassen. Das bedeutet auch Krisen auszuhalten, mit Ablehnung umzugehen und immer wieder die richtige Balance zwischen Nähe und Distanz zu finden. Genau diese Herausforderungen sind es, die Selina an ihrem Beruf so mag.
Dabei ist sie nie auf sich allein gestellt. Prozesse in der Kinder- und Jugendhilfe funktionieren nur Hand in Hand. Austausch, Diskussionen und unterschiedliche Sichtweisen gehören für sie selbstverständlich dazu. Gerade in schwierigen Situationen sind es die Kolleginnen und Kollegen, die auffangen, stärken und den Rücken freihalten. Gleichzeitig erlebt sie den ALEP e.V. als Arbeitgeber, der die richtigen Rahmenbedingungen schafft: flache Hierarchien, eine starke Leitungsebene und ein Umfeld, in dem eigene Ideen ausdrücklich erwünscht sind.
Ein Beispiel dafür ist die Reittherapie, die Selina ins Leben gerufen hat und die ihr besonders am Herzen liegt. Sie setzte sich mit großem Engagement dafür ein, dass die Kinder diese Unterstützung erhalten konnten. Denn gerade für junge Menschen, denen Vertrauen schwerfällt, kann die Beziehung zu einem Tier eine enorme Chance sein. Solche Maßnahmen genehmigt zu bekommen, ist heutzutage alles andere als selbstverständlich. Gelder werden gekürzt, die Haushaltssperren sind aktiv. Viele hätten an dieser Stelle vielleicht aufgegeben. Selina nicht. Sie argumentierte, erklärte, baute Brücken und blieb beharrlich. Am Ende mit Erfolg. Dabei half ihr auch die Erfahrung aus ihrer Zeit beim Jugendamt. Sie kennt die Abläufe, die gesetzlichen Rahmenbedingungen und Hürden auf beiden Seiten.
Genau darin liegt für sie der größte Unterschied zu ihrer früheren Tätigkeit. Damals traf sie Entscheidungen über Kinder und Familien. Heute begleitet sie junge Menschen dabei, selbstständig zu werden und sich ein eigenes Leben aufzubauen.
Selina weiß, dass sie angekommen ist. Nicht, weil sie aufgehört hätte zu suchen, sondern weil sie endlich den Ort gefunden hat, an dem sie genau das tun kann, was ihr wichtig ist: Beziehungen aufbauen, Menschen begleiten und gemeinsam etwas bewirken.
„Eine Sache habe ich sehr früh gelernt: Eigentlich braucht jedes einzelne Kind nur jemanden, der es ernst nimmt und einfach nur zuhört. Das ist das A und O dieser Arbeit.“
MARIUSZ
Erzieher, Kleinklasse Berlin
Mariusz weiß aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühlt, endlich gehört zu werden. Ihn und die Kinder, die er heute in der sonderpädagogischen Kleinklasse CHAPS an der Charlie-Chaplin-Grundschule in Berlin betreut, verbindet mehr als „nur“ seine Arbeit als Erzieher.
Mariusz hat selbst als Kind in einer Kleinklasse gelernt. Geboren wurde er in Polen, wo das Gymnasium bereits mit der 1. Klasse beginnt. Doch der Einstieg in die Schule war nicht einfach. Von klein auf war Mariusz auf Hörgeräte angewiesen und hatte zusätzlich mit einer Lernschwäche zu kämpfen. Im regulären Schulsystem fühlte er sich überfordert und allein gelassen. Bis zur vierten Klasse hielt er durch, dann wechselte er in eine Kleinklasse - ein Konzept, was in Polen deutlich weiter verbreitet ist. Es war eine Entscheidung, die sein Leben verändern sollte. In einer Klasse mit nur fünf Kindern und zwei Pädagog*innen holte er nicht nur den versäumten Unterrichtsstoff innerhalb kurzer Zeit auf – am Ende gehörte er sogar zu den besten Schülern seines Jahrgangs.
Für Mariusz lag der Unterschied dabei nicht allein im Unterricht, sondern am Konzept: Es wurde musiziert, jongliert und gemeinsam an einem Zirkusprojekt gearbeitet. Er entdeckte Seiten an sich, für die im klassischen Schulalltag kaum Platz gewesen wäre. Mariusz durfte ausprobieren, Verantwortung übernehmen und erleben, dass Lernen nicht nur im Klassenraum stattfinden muss. Aber vor allem hat er erfahren, dass es Freude bringen kann. Gerade weil diese positiven Erfahrungen seine Arbeit bis heute prägen, sollte es, wenn es nach Mariusz ginge, deutschlandweit deutlich mehr sonderpädagogische Kleinklassen geben. Damit Kinder, die es brauchen, individuelle Unterstützung für den Schulalltag bekommen, die im Regelsystem schlichtweg nicht vorgesehen ist.
Gleichzeitig weiß er, wie anspruchsvoll diese pädagogische Arbeit ist. Es braucht Menschen, die bereit sind, sich auf jedes einzelne Kind einzulassen – und genau darin liegt die Herausforderung. Denn die Lebenswelt von Kindern hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Aus Mariusz' Sicht zählen vor allem der zunehmende Medienkonsum und die daraus entstehenden Konzentrationsschwierigkeiten zu den größten Problemen. Immer häufiger erlebt er Kinder, denen es schwerfällt, sich selbst zu beschäftigen oder über längere Zeit bei einer Sache zu bleiben. Umso wichtiger ist es, sie immer wieder neu zu motivieren und ihnen zu vermitteln, dass sie nicht für die Schule lernen, sondern für ihr eigenes Leben.
Mariusz ist sich bewusst, welchen gesellschaftlichen Beitrag er mit dieser Arbeit leistet – auch wenn es oft erst Jahre später sichtbar wird. Immer wieder begegnen ihm ehemalige Schülerinnen und Schüler, die erzählen, dass sie vieles erst mit etwas Abstand verstanden haben. Warum manches, das Mariusz von ihnen eingefordert oder ihnen mitgegeben hat, am Ende doch wichtig war.
Wenn Mariusz an die Zukunft denkt, hat er einen ganz eigenen Traum. Er selbst ist in Polen mit viel Natur aufgewachsen. Irgendwann möchte er ein naturpädagogisches Projekt schaffen, bei dem man draußen lernen, Tieren begegnen und Erfahrungen sammeln kann, die im Alltag vieler Stadtkinder kaum noch möglich sind. Um ihnen damit ein Stück von dem zurückgeben, was Mariusz die Kleinklasse selbst einmal geschenkt hat: Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, Freude am Lernen und den Glauben an sich selbst.
„ALEP e.V. ist für mich ein Arbeitgeber, der mir in all den Jahren – und ich bin schon über 20 Jahre hier – die Möglichkeit gegeben hat, mich selbst zu verwirklichen und auf meine persönlichen Bedürfnisse einzugehen. Dadurch ist mein Arbeitsfeld immer lebendig geblieben.“
DANIELA
Pädagogische Leitung, Tagesambulanzen
Wenn Daniela über ihre Arbeit spricht, wird schnell klar: Sie ist mit ganzem Herzen Familientherapeutin. Sie will etwas bewirken. Was das genau ist, zeigt sich nicht in Statistiken oder Kennzahlen. Soziale Arbeit lässt sich nur schwer messen. Der Erfolg wird dann spürbar, wenn sich die betreuten Familien selbst zurückmelden. Wenn sie dankbar davon berichten, dass sich endlich etwas verändert hat. Und dass sie diesen Weg ohne die Unterstützung des ALEP e.V. so nicht geschafft hätten.
Wie diese Unterstützung aussieht, ist ganz unterschiedlich. Jeder Fall ist anders. Manche der Klienten empfinden die Maßnahme aber auch als Zwangskontext. Dann ist es die Aufgabe von Daniela und ihrem Team, zunächst Brücken zu bauen und durch eine gute Beziehungsarbeit mit den Familien in Kontakt zu kommen, um überhaupt hilfreich sein zu können.
Jede Familie bringt ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Belastungen, aber eben auch ihre eigenen Stärken mit. Der Ausgangspunkt ist dennoch immer gleich: Ein sogenannter „Hilfeauftrag“ des Jugendamts. Von dort aus beginnt ein gemeinsamer Prozess. Die meisten Familien nehmen diese Unterstützung dankbar an und lassen sich auf die neuen Impulse, die Daniela und ihr Team anbieten, ein. Oft sind es schon kleine Veränderungen, die viel bewirken. Ein anderer Ton im Gespräch. Ein neuer Blick aufeinander. Ein bewussterer Umgang miteinander.
Im Mittelpunkt von Danielas Arbeit steht dabei eine klare Haltung. Sie schaut nicht zuerst auf Defizite, sondern auf die Ressourcen, die bereits da sind. Immer verbunden mit Respekt und Wertschätzung den Familien gegenüber. Die vorhandenen Stärken sichtbar zu machen und gemeinsam weiterzuentwickeln, ist dabei für sie zentral. Wenn das gelingt, geht es nicht nur einzelnen Familienmitgliedern besser, sondern der Familie als Ganzes.
Besonders intensiv zeigt sich das im ambulanten Bereich. Daniela und ihr Team gehen in die Familien hinein, oft direkt in deren Zuhause. Sie sitzen mit ihnen im Wohnzimmer, auf dem Sofa, mitten im Alltag. Dort werden das Leid, die Armut und die schwierigen Lebensverhältnisse vieler Familien unmittelbar spürbar. Vielleicht liegt genau darin die größte Herausforderung dieses Berufs: emphatisch zu bleiben und zugleich eine innere Distanz zu wahren. Sich berühren, aber nicht vereinnahmen zu lassen. Nur so bleibt man handlungsfähig und kann Familien wirklich hilfreich begleiten.
Damit dieser emotionale und professionelle Spagat gelingt, braucht es regelmäßige Supervisionen und ein hochprofessionelles, starkes Team. Genauso wichtig ist aber auch etwas anderes - Freude bei der Arbeit zu haben. Dass dieses Miteinander gelingt, dazu trägt Daniela mit Herz, Leidenschaft und Überzeugung als pädagogische Einrichtungsleitung wesentlich bei. Seit über zwei Jahrzehnten.
„Die Arbeit mit Menschen bedeutet mir sehr, sehr viel. Vor allem Kinder und Jugendliche von der Straße zu holen, mit Hilfe von Sport etwas Sinnvolles zu erreichen und sie auf einem ordentlichen Weg begleiten zu können.“
KENNDY
Sozialpädagoge in Ausbildung, Tageseinrichtung Berlin
Kenndy ist ein Macher. Das zeigt sich nicht nur an der Begeisterung, mit der er von seiner Arbeit als Sozialpädagoge erzählt, sondern auch an seinem eigenen Lebensweg. Nach Jahren bei einem der größten Berliner Busunternehmen entschied er sich bewusst für einen Neuanfang im Sozialwesen. Er wollte zurück zu dem, was ihn schon immer angetrieben hat: Menschen unmittelbar zu begleiten und zu unterstützen.
Heute arbeitet Kenndy am ALEP-Standort Wuhlheide mit schuldistanzierten Jugendlichen. Für ihn ist diese Aufgabe weit mehr als ein Beruf. Sie gibt ihm die Möglichkeit, Kinder und Jugendliche in einer entscheidenden Phase ihres Lebens zu begleiten, ihnen Orientierung zu geben und gemeinsam neue Perspektiven zu entwickeln. Dass ihm das gelingt, hat Kenndy schon lange vor seiner Zeit beim ALEP e.V. bewiesen. Gemeinsam mit zwei Mitstreitern baute er einen Fußballverein neu auf, um Kinder und Jugendliche von der Straße zu holen. Einer seiner Schützlinge schaffte später sogar den Sprung in die erste Bundesliga. Für Kenndy ist das der Beweis dafür, wie viel möglich wird, wenn junge Menschen jemanden an ihrer Seite haben, der an sie glaubt.
Genau darum geht es ihm auch heute. Viele der Jugendlichen, die an den ALEP-Standort Wuhlheide kommen, haben im Regelschulsystem keinen Platz mehr gefunden. Zu große Klassen, zu hoher Leistungsdruck und oft schwierige Biografien stehen dem Leben im Weg, das sie eigentlich führen möchten. Genau hier setzt Kenndys Arbeit an. Er begleitet sie auf ganz unterschiedliche Weise durch ihren Entwicklungsprozess.
Kenndy unterrichtet Mathematik in der Leistungs- und Prüfungsklasse, bereitet die Jugendlichen gezielt auf ihre Abschlüsse vor und vermittelt den Lernstoff möglichst praxisnah und verständlich. Darüber hinaus führt er regelmäßig Einzelgespräche, spricht mit ihnen über schulische Herausforderungen, die persönliche Entwicklung und arbeitet mit ihnen an individuellen Zielen. Besonders erfüllen ihn Momente, in denen Ziele erreichet werden, nach langer Schulabstinenz wieder Freude am Lernen gefunden wird oder der Schulabschluss geschafft. Dann zeigt sich, wie wichtig Beziehungsarbeit, Kontinuität und individuelle Förderung ist.
Selbst wenn Kenndy und sein Team merken, dass der theoretische Unterricht für einen Jugendlichen nicht der richtige Weg ist, geben sie nicht auf. Gemeinsam suchen sie nach Alternativen. Innerhalb des ALEP-Verbundes können Jugendliche in praxisorientierte Angebote wechseln und dort Erfahrungen sammeln, die sie auf ein selbstständiges Leben vorbereiten. Denn für Kenndy zählt am Ende nicht, wie ein Ziel erreicht wird, sondern dass jeder Jugendliche die Chance bekommt, seinen eigenen Weg zu finden.
Ende diesen Jahres wird Kenndy die Leitung einer der beiden Tagesgruppen in der Wuhlheide übernehmen. Darauf freut er sich besonders – nicht nur, weil er den Standort aktiv weiterentwickeln und pädagogische Strukturen mitgestalten kann, sondern weil er überzeugt ist, dass gute Kinder- und Jugendhilfe nur im Team gelingt. Für ihn sind Macher keine Einzelpersonen. Es sind die Menschen im Hintergrund, die organisieren, genauso wie diejenigen, die jeden Tag mit den Jugendlichen arbeiten. Gemeinsam geben sie alles dafür, dass junge Menschen die Unterstützung bekommen, die sie brauchen, um sich Schritt für Schritt ein eigenes und gutes Leben aufzubauen.
„Der ALEP e.V. ist für unsere Jugendlichen die Chance auf ein neues Leben.“
IRMA
Einrichtungsleiterin , BJW Berlin
Irmas Geschichte beginnt in ihrem Heimatland Litauen. Dort wurde sie geboren, ging zur Schule und lernte Deutsch. Schon früh wusste sie, dass sie Sozialarbeiterin werden möchte. Doch ihr Weg führte sie zunächst ins Studium der Archäologie, bis die Wirtschaftskrise 2008 Litauen erschütterte und berufliche Perspektiven zunehmend unsicher wurden. Die Krise im Äußeren brachte Irma dazu, ihren Weg im Inneren zu hinterfragen – und führte sie zurück zu dem, was sie schon immer wollte. Sie wanderte nach Deutschland aus, um ihren Traum zu verwirklichen: ein Studium der Sozialen Arbeit.
„Mir war nicht sofort klar, dass ich mit Jugendlichen arbeite“, sagt sie. „Aber die Geschichten geflüchteter Menschen haben mich schnell sehr bewegt.“ Auch ohne eigenen Fluchthintergrund kann sich Irma in viele Herausforderungen der Jugendlichen hineinversetzen. Sie kennt das Gefühl, sich in einem neuen Land zurechtfinden zu müssen – mit einem fremden System, einer anderen Kultur und einer anspruchsvollen Sprache.
Für Irma und ihrem Team geht es darum, Jugendlichen echte Perspektiven zu eröffnen. Integration gelingt nicht mit reiner „Verwahrung“, sondern durch individuelle Begleitung, Zeit und Vertrauen. Oft kämpfen sie dafür auch mit Behörden: für verlängerte Jugendhilfe, passgenaue Lösungen und faire Chancen. Manchmal suchen sie gemeinsam monatelang nach einem Ausbildungsplatz. Wenn dann auf viele Absagen endlich eine Zusage folgt und Irma die Erfolge „ihrer“ Jugendlichen sieht – Schulabschlüsse, Ausbildungen, erste Jobs, eigene Wohnungen –, sind es genau diese Momente, in denen sie weiß, warum sie diese Arbeit macht.
Von der Gesellschaft wünscht sich Irma vor allem eines: mehr Anerkennung für das, was die Jugendlichen leisten. Für ihre Motivation, ihre Kraft und ihren Willen, sich hier eine Zukunft aufzubauen. Einige von ihnen erzielen dabei Beeindruckendes. Manche konnten aufgrund von Krieg nie eine Schule besuchen und schaffen in Deutschland innerhalb weniger Jahre ihren Abschluss.
Wie gut Integration gelingen kann, zeigt das Team in der Thomasstraße. Neben Irma als Einrichtungsleitung arbeiten hier neun Menschen aus verschiedenen Ländern der Welt, von der Dominikanischen Republik, über die Schweiz, bis Afghanistan. Diese kulturelle Vielfalt ist Herausforderung und Stärke zugleich. Irmas Aufgabe ist es, die unterschiedlichen Kompetenzen so zusammenzuführen, dass sich alle wertgeschätzt fühlen und gemeinsam das Beste für die Jugendlichen erreichen. So entsteht echter Austausch – und ein starkes Team.
Wo sich Irma in fünf Jahren sieht, weiß sie noch nicht. Sie will nach Litauen zurückzukehren, doch die stete Unsicherheit rund um den Ukraine-Krieg erschweren ihre Lebensplanung. Fest steht für sie allerdings eins: „Solange ich hier in Deutschland bin, bleibe ich beim ALEP e.V.“
„Der Beitrag, den wir für die Gesellschaft leisten, ist aktuell wichtiger denn je. Ich muss ja nicht erklären, was gerade los ist, aber der Wind weht scharf von rechts und die Zeiten werden nicht leichter. Ich glaube, gerade deswegen ist es so wichtig, dass es uns als Anlaufstelle für die Menschen gibt, die sich in einer sehr vulnerablen Phase befinden, wenn sie in dieses Land kommen.“
FRANZI
Sozialpädagogin, BJW Berlin
Franzi hätte wohl nie gedacht, dass ihr beruflicher Weg auf einer Picknickdecke seinen Anfang nehmen würde. Doch im Jahr 2017, frisch aus dem Studium, wurde sie genau dort angesprochen, ob sie nicht auf der Suche nach einem „coolen Job“ sei.
Zwei Wochen später stand Franzi dicht gedrängt mit fünf anderen Mitarbeiter*innen in dem kleinen, wuseligen Büro der zweiten Etage einer Jugend-WG und fragte sich: Bin ich hier wirklich richtig? All die Jugendlichen und das Klientel, mit dem sie vorher beruflich nichts zu tun hatte, waren viel auf einmal. Doch Franzi hatte schon immer ein inhärentes Bedürfnis, Dinge erst recht zu versuchen, wenn sie diese als schwer empfand. Und Herausforderungen gab es genug. Die Einrichtung hatte gerade erst eröffnet. Alles steckte noch in den Kinderschuhen, doch gleichzeitig war da diese Aufbruchsstimmung: Ein Team, das den Wunsch und den Drang hatte, etwas zu entwickeln und nachhaltig zu gestalten, aber selbst noch nicht wusste, wo es hingehen sollte. Franzi beschloss, sich trotzdem oder gerade deshalb mitten hineinfallen zu lassen und darauf zu vertrauen, dass es am Ende gut wird. Und das wurde es.
Vielleicht kann sie genau deswegen mit so großer Offenheit auf die jungen Menschen zugehen. Die, wenn sie zum ALEP e.V. kommen, schon so viel „Leben“ hinter sich haben. Die sich in diesem Land, in dem alles neu, unbekannt und fremd ist, erst mal zurecht finden müssen. Umso bemerkenswerter findet sie es, dass es die Jugendlichen in dieser verletzlichen Situation schaffen, sich in Franzis Hände zu begeben und zu vertrauen, obwohl sie nicht wissen, ob es am Ende gut wird. Mit Fachkompetenzen und Wissen über Trauma, Pädagogik und dem aktuellen Asyl- und Aufenthaltsrecht gehen Franzi und ihre Kolleg*innen in die Beziehungsarbeit. Aber genauso wichtig ist es, den Jugendlichen ein Zuhause zu sein, in dem sie sich gesehen, geborgen und wertgeschätzt fühlen. Wo sie mit all ihren Fehlern, ihren Talenten, ihrer Wut angenommen werden. Wo sie einfach sein können, wer sie sind.
„Wir Menschen sind keine Roboter, keine Münzautomaten, in die man etwas reinschmeißt und dann kommt etwas unten raus“, sagt Franzi. Manchmal braucht eine Entwicklung einfach Zeit. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass es einen Austausch auf Augenhöhe mit den Klient*innen gibt, in dem herausgearbeitet wird: Fühlst du dich gehört? Was möchtest du?
„Von außen ist so viel Druck und so viel ‚Ihr müsst‘. In dem Moment einfach da zu sein und auch mal zu sagen: Heute nicht. Ihr müsst auch nicht immer. Man kann auch mal nicht wollen, nicht können und einfach sagen: Heute halten wir einfach mal nur aus, dass alles kacke ist.“
Genau hier entsteht Franzis Wirksamkeit. Sie begreift sich und ihre Kolleg*innen beim ALEP e.V. als eine Instanz, die Brücken schlägt. Ihr großer Wunsch ist es, dazu beizutragen, in der Gesellschaft Hemmungen, Ängste und Vorurteile abzubauen, die entstehen, weil man sich nicht mit dem angeblich „Fremden“ auseinandersetzt. Wenn man es aber tut, sieht man, wie viele Gemeinsamkeiten es gibt, und dass wir alle einfach nur Menschen mit Wünschen, Träumen und Zielen sind. „Ihre“ Jugendlichen dabei zu begleiten, diese wahr werden zu lassen und das als Beruf ausüben zu dürfen, ist für Franzi das größte Geschenk.
„ALEP e.V. ist für mich, neben meiner Frau und meinem Sohn, mein zweiter Lebensmittelpunkt. Mein halbes Leben.“
RENÉ
Erzieher, BJW Brandenburg
Wenn man René nach seiner Berufsbezeichnung fragt, sagt er nicht „Erzieher“, sondern „Betreuer“. Er bevorzugt dieses Wort gegenüber der offiziellen Bezeichnung. Vielleicht, weil es genau das ist, was er jeden Tag tut: Er erzieht die Kinder nicht, er betreut sie. Auf Augenhöhe, mit Freude, ganzem Herzen und dem Anspruch, ihnen ein zweites Zuhause zu geben. So, wie dieser Ort für ihn selbst, nach über 30 Jahren, längst zu einem Zuhause geworden ist.
Renés Aufgabe beim ALEP e.V. Borgsdorf ist es, den kompletten Alltag der Kinder zu organisieren, sie in ihrer Entwicklung voranzubringen und sie Stück für Stück in die Selbstständigkeit zu begleiten. Dafür arbeitet er eng mit den Eltern, Jugendämtern, Behörden und medizinischen Einrichtungen zusammen. Im Grunde übernimmt er das, was sonst Vater oder Mutter für ihr Kind tun würden. Immer in dem Wissen, dass seine Arbeit, so engagiert sie auch sein mag, die eigenen Eltern nie ersetzen kann. Das Ziel bleibt immer, die Kinder, wenn möglich, wieder in ihre Familien zurückzuführen oder sie bis in die Volljährigkeit und manchmal auch darüber hinaus zu begleiten.
Renés Wunsch dabei ist es, ihnen bis dahin möglichst viel auf ihrem Lebensweg mitzugeben. Seien es gewisse Normen, Regeln oder Werte – es beginnt bei vermeintlichen Alltäglichkeiten: dass er die Kinder zu Festen wie der Einschulung oder der Jugendweihe begleitet oder beim Fußballspiel am Spielfeldrand steht, um anzufeuern. Manchmal sind es auch ganz praktische Dinge. Aufgewachsen in der DDR, studierte René zunächst Maschinenbau, bevor er seinen Weg in die pädagogische Arbeit fand. Heute gibt er dieses Wissen weiter. Er zeigt den Kindern, wie man Dinge repariert oder das eigene Zimmer renoviert. Und dann sind da diese besonderen Momente, die ihn glücklich machen: Wenn ein Kind mit Lernschwierigkeiten plötzlich ein Gedicht aufsagen kann. Wenn aus einer Fünf oder Sechs in Mathe eine Vier wird. Oder wenn die Jugendlichen später ihren eigenen Weg gehen, eine Ausbildung machen und ihr Leben selbstständig aufbauen.
Erst vor kurzem besuchte ihn ein ehemaliger Schützling mit seiner Frau und seinem eigenen Kind, um ihnen zu zeigen, wo er groß geworden ist – und um René Danke zu sagen. Diese Momente machen ihm bewusst, dass er im Laufe der Jahre vielleicht nicht alles, aber vieles, richtig gemacht hat.
Doch nicht nur die Kinder lernen von René – auch er hat viel gelernt. Zum Beispiel kochen: Früher konnte er gerade so Nudeln machen und selbst die wären ihm fast angebrannt, erzählt er lachend. Heute stehen Gerichte wie Hackbraten oder Nudelauflauf ganz selbstverständlich auf dem Tisch. Dieses ständige Dazulernen erfüllt ihn.
Natürlich ist die Arbeit auch nicht immer leicht. Manche Geschichten lassen René auch nach so vielen Jahren Berufserfahrung nicht los. Er nimmt sie mit nach Hause, denkt weiter und sucht Lösungen. Umso wichtiger ist es, sagt er, für sich selbst zu sorgen. Für René bedeutet das - Ausgleich: Angeln, Modellbau, Bowling. Und dann ist da das Team und der Zusammenhalt, der für ihn unverzichtbar sind. Sich gegenseitig zu unterstützen, füreinander einzuspringen und auch bereit zu sein, sich manchmal über das normale Maß hinaus zu engagieren – das zählt. Denn am Ende wollen alle nur eins, wie René sagt: glückliche Kinder aufwachsen sehen.
Wenn René in seine Zukunft blickt, denkt er nicht ans Aufhören. Auch nach der Rente will er sich weiter einbringen und Projekte mit den Kindern und Jugendlichen machen. Denn ALEP e.V. ist für ihn mehr als ein Arbeitsplatz. Es ist ein Ort, an dem er die Hälfte seines Lebens verbracht hat. Es ist sein zweites Zuhause.
„Für mich persönlich ist der ALEP e.V. eine Chance, noch einmal neu anzufangen.“
MAREN
Sozialpädagogin in Ausbildung, BJW Berlin
Alles auf neu hieß es für Maren, als sie nach drei Jahren Elternzeit wieder auf Jobsuche ging. Sie war gerade dabei, sich beruflich neu zu orientieren, als sie beim ALEP e.V. auf die ausgeschriebene Stelle als Hauswirtschaftskraft stieß. Es schien die perfekte „Zwischenstation“ zu sein, bis sie wüsste, was sie als Nächstes anpacken würde – so dachte Maren zumindest.
Am Anfang war hier alles aufregend und neu, doch ein Gefühl blieb beständig: Maren fühlte sich wohl. Ihr gefiel die Stimmung im Haus in der Schubertstraße. Schon bald kam sie mit den Erziehern und dem Einrichtungsleiter in einen regelmäßigen Austausch. Über die Arbeit beim Träger und über ihre Zukunftspläne, bis sie schließlich begann, darüber nachzudenken, die soziale Arbeit zu ihrem Beruf zu machen. Ermutigt durch positive Signale seitens des ALEP e.V. wagte Maren den Schritt und begann berufsbegleitend ein Studium. Seit Anfang des Jahres arbeitet sie nun fest im Team als Sozialarbeiterin und betreut unter anderem einen der hier lebenden Jugendlichen.
Bevor Maren die Stelle antrat, machte sie sich viele Gedanken darüber, wie und ob dieser Beruf mit ihrer eigenen kleinen Familie vereinbar ist. Um die Anforderungen von Festanstellung und Kleinkind gut miteinander zu verbinden, war ihr eine offene Kommunikation mit guter Abstimmung im Team und dem Arbeitgeber besonders wichtig. Genau das hat sie beim ALEP e.V. gefunden. Dafür ist sie sehr dankbar. Denn dieser Beruf besteht nicht aus „Fällen“, die man einfach „abarbeiten“ kann. Es sind junge Menschen, die ihre ganz eigenen Themen, Problematiken und Ausgangslagen mitbringen. Als Betreuer*in betrachtet man jeden Jugendlichen und dessen Schicksal individuell – das ist spannend und herausfordernd zugleich.
Doch genau hier, in der persönlichen Auseinandersetzung, entstehen auch die schönsten Momente ihres Berufsalltages, sagt Maren. Für sie sind es jene Augenblicke, in denen sie den Jugendlichen, die bereits so viel durchlebt haben, all die Möglichkeiten aufzeigen kann, ihr Leben zukünftig selbst zu gestalten. Auch wenn es sich manchmal nicht gleich danach anfühlt.
Für Maren geht es bei diesem Beruf im Kern darum, den Jugendlichen Unterstützung, Orientierung und ein offenes Ohr zu bieten. Sie möchte ihnen vermitteln, dass sie in ihrer Lage nicht allein sind, sondern sich – wie hier, beim ALEP e.V. – auf ihre Betreuer*innen verlassen können. Wenn dieser Grundstein erst einmal gelegt ist, darf es auch wieder leichter werden. Zum Beispiel, wenn alle in der Küche zusammenkommen und gemeinsam kochen. Dann spürt man, wie einige in der Gemeinschaft richtig aufblühen. Genauso wie Maren, die auf ihrer Suche nach einer „Zwischenstation“ beim ALEP e.V. ihren ganz persönlichen Neuanfang gefunden hat.
„ALEP e.V. ist für mich ein Träger, der jedem Jugendlichen die Chance gibt, Altes hinter sich zu lassen und noch einmal ganz von vorne zu beginnen.“
BIANCA
Teamleiterin , BJW Sachsen-Anhalt
Neuanfänge brauchen Mut. Und manchmal jemanden, der einen dabei begleitet. Jemanden wie Bianca.
Bianca arbeitet seit über 30 Jahren als Erzieherin. Erst im kirchlichen Kontext als Kinderdiakonin und in der ambulanten Familienhilfe, heute beim ALEP e.V. in Klepps. Hier, in der Intensivgruppe des Projekts „Arbeit, Lernen und Wohnen“, leben Kinder und Jugendliche, bei denen aufgrund ganz unterschiedlicher Lebensgeschichten die Trennung von ihrer Herkunftsfamilie und ihrem bisherigen Umfeld oft die wichtigste Voraussetzung für einen Neuanfang ist. Auf diesem Weg begleiten Bianca und ihre Kolleg*innen. Die meisten Jugendlichen sind bei ihrer Ankunft gerade einmal 13 Jahre alt. Viele bleiben bis zum 20. Lebensjahr, manche verbringen somit ihre halbe Jugend hier. Dadurch wachsen enge Beziehungen bis hin zu einem familiären Miteinander auf ganz natürliche Weise über die Jahre. Genau das schätzt Bianca besonders an der intensivpädagogischen Arbeit. Gleichzeitig macht es genau diese Nähe zu einer Aufgabe, die man wirklich wollen muss, so wie Bianca es tut.
Sie begleitet die Jugendlichen durch Höhen und Tiefen. Sie leidet mit ihnen, wenn sie Probleme haben, trägt ihre Trauer mit, wenn sie ihr altes Zuhause vermissen und hilft ihnen dabei, einen Umgang mit starken Gefühlen, wie Wut oder Überforderung zu finden. Nicht selten kommt es dabei auch zu aggressiven Gefühlsausbrüchen. Gerade dann braucht es die Betreuer*innen ganz besonders. Sie nehmen die Jugendlichen aus der Situation heraus und geben ihnen den Raum wieder zur Ruhe zur kommen - in der Einzelbetreuung, zum Beispiel beim Bau eines gemeinsamen Lagerfeuers.
Für genau diese Arbeit bietet das Gelände der ehemaligen Ziegelei in Klepps ideale Voraussetzungen. Auf 140.000 Quadratmetern gibt es Platz für Tiere, erlebnispädagogische Projekte und vor allem für Ruhe. Als Bianca und ihre Kolleg*innen das Gelände entdeckten, war es verlassen und stark sanierungsbedürftig. Doch sie erkannten sofort sein Potenzial: einen Ort der Abgeschiedenheit und Stille, der bis heute das Herzstück des pädagogischen Konzepts bildet – und für viele Neuankömmlinge zugleich die erste große Herausforderung ist.
Vor allem für Jugendliche aus der Großstadt ist diese Stille anfangs schreiend laut. Hier gibt es kaum Verkehr, keine permanente Ablenkung. Zweimal am Tag fährt der Schulbus – das war's. Viele brauchen Wochen, um sich daran zu gewöhnen. Irgendwann entdecken die meisten dann aber den Einrichtungshund oder adoptieren eines der Kaninchen, um die sie sich im Rahmen einer festen Tagesstruktur kümmern. Über die Tiere entsteht oft das erste Vertrauen. Viele Jugendliche bringen Bindungsstörungen, Beziehungsabbrüche oder Mehrfachdiagnosen mit. Häufig fällt es ihnen leichter, sich zunächst auf ein Tier einzulassen als auf einen Menschen. Doch mit der Zeit kommen die meisten wirklich hier an. Und manche wollen am Ende gar nicht mehr weg aus ihrem „neuen Zuhause“ in Klepps.
Zu den schönsten Momenten ihrer Arbeit gehören für Bianca die Entwicklungen, die sie über Jahre begleiten darf. So erinnert sie sich an einen Jugendlichen aus Berlin, der anfänglich sehr introvertiert und vom Landleben völlig überfordert war. Als eines Tages ein freilaufendes Huhn in sein Zimmer spazierte und ausgerechnet auf seinem Bett ein Ei legte, wusste er sich kaum zu helfen. Zwei Jahre später ist aus ihm ein offener junger Mann geworden. Er hat seinen Schulabschluss geschafft, kümmert sich liebevoll um seine eigene Katze und ist auf einem guten Weg ins Berufsleben. Für Bianca sind das die wahren Erfolgsgeschichten.
Aber auch für Bianca beginnt bald ein neuer Abschnitt. Mit Stolz sieht sie, dass ihre Tochter den gleichen Berufsweg einschlägt mit ihrer Ausbildung zur Erzieherin beim ALEP e.V. . Bianca freut sich auf den Tag, an dem sie vielleicht gemeinsam in Klepps arbeiten werden. Denn sie ist überzeugt: Gute Kinder- und Jugendhilfe lebt von jungen Menschen, die bereit sind, neue Wege zu gehen – und anderen den Mut schenken, noch einmal ganz von vorne zu beginnen.
„ALEP e.V. ist für mich ein Ort, an dem Jugendliche, die sich in einer schwierigen Lebensphase befinden, eine zweite Chance bekommen.“
MAX
Erzieher, Tageseinrichtung Berlin
Max ist Köpenicker durch und durch. Hier ist er aufgewachsen, hier hat er seine Familie gegründet. Hier kann er beim ALEP e.V. etwas bewirken.
Sein Weg in die Kinder- und Jugendhilfe begann nach der Erzieherausbildung zunächst im Hortbereich einer Grundschule und führte ihn weiter in die mobile Jugendarbeit. Mit der Geburt seiner beiden Kinder veränderten sich jedoch die Anforderungen an seinen Berufsalltag. Die Arbeitszeiten ließen sich immer schwerer mit dem Familienleben vereinbaren. Was blieb, war die Erkenntnis, dass er die Arbeit mit Jugendlichen fortsetzen wollte. Über eine Anzeige wurde er schließlich auf den ALEP e.V. aufmerksam und fand einen Arbeitsplatz, an dem sich beides miteinander verbinden lässt.
Für Max ist es ein ganz anderes Arbeiten – ein intensiveres, aber vielleicht genau deshalb auch ein schöneres. Früher begleitete er, innerhalb des klar abgesteckten Rahmens eines Schulalltages, oft ganze Klassen mit 25 bis 30 Kindern. Heute arbeitet er mit kleinen Gruppen von drei bis fünf Jugendlichen und großer inhaltlicher Freiheit. Natürlich spielt das Thema Schule in einer Tagesgruppe für schuldistanzierte Jugendliche eine wichtige Rolle. Aber genauso auch die Projektarbeit, in der Lernen und praktische Erfahrungen miteinander verbunden werden. Denn die Jugendlichen bringen ihre eigenen, oft nicht einfachen Biografien und Erfahrungen mit, die dazu geführt haben, dass sie der regulären Schulpflicht nicht mehr nachkommen können.
Umso wichtiger ist es, neue Wege zu finden, sie wieder für das Lernen zu begeistern und ihnen die Chance auf einen Schulabschluss zu ermöglichen. Die inhaltliche Freiheit, die Max von Seiten des ALEP e.V. dafür gegeben wird, weiß er ebenso zu schätzen, wie die enge Teamarbeit, und dass genau dafür genügend Zeit aus der Leitungsebene eingeräumt wird. Dadurch entstehen nicht nur praktische Fähigkeiten, sondern auch sichtbare Erfolgserlebnisse – für die Jugendlichen, aber auch für Max.
So hat er am Standort Wuhlheide ein Garten- und Handwerksprojekt ins Leben gerufen. Statt Mathematik im Frontalunterricht, geht er mit den Jugendlichen nach draußen. Dann wird gemeinsam ein Hochbeet geplant, mit dem Zollstock gemessen, Winkel berechnet und kalkuliert, wie viele Liter Farbe benötigt werden, um die Garagenwand neu zu streichen. Das ist nicht nur angewandte Mathematik, sondern die Vermittlung positiver Erfahrungen und praktischer Fähigkeiten, die die Jugendlichen weit über ihre Zeit beim ALEP e.V. hinaus begleiten.
Max' Wunsch für die jungen Menschen ist klar: Dass sie ihren Weg weitergehen, auch wenn das Projekt hier irgendwann endet. Dass sie lernen, an sich zu glauben, einen Abschluss schaffen und von ihm genügend Rüstzeug mitbekommen, um ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.
„Das Besondere an meinem Job ist, dass ich den direkten Kontakt zur nächsten Generation nie verliere. Ich finde es unglaublich spannend zu sehen, wie Kinder und Jugendliche heute mit den Herausforderungen ihrer Zeit umgehen. Dadurch bleibe ich neugierig.“
GABI
Sonderpädagogische Fachkraft, BJW
Gabi ist seit zehn Jahren als sonderpädagogische Fachkraft beim ALEP e.V. Doch der Beruf ist für sie weit mehr als das, was auf dem Papier steht. Sie versteht sich als „Anwältin“ der Kinder. Als jemand, der für diejenigen loszieht, die durch soziale und emotionale Schwierigkeiten ohnehin benachteiligt sind und Unterstützung besonders dringend benötigen. Gabi vernetzt Ämter mit Schulen, führt unermüdlich Gespräche, sitzt temporär im Unterricht an der Seite ihrer Schützlinge und berät bei Bedarf die Lehrkräfte. Sie baut Brücken zwischen Kindern, Schulen und Behörden. Vor allem aber kämpft sie dafür, dass die Kinder nicht über ihre Schwierigkeiten definiert werden, sondern über das, was in ihnen steckt und sie erkannt werden als richtig und gut - genauso, wie sie sind.
Gabi hat ursprünglich Sonder- und Rehabilitationspädagogik studiert und über zwanzig Jahre mit geistig beeinträchtigten, teilweise nonverbalen Erwachsenen gearbeitet, eine Erfahrung, die sie bis heute bereichert. Nicht nur, weil sie ihr ohnehin großes Empathievermögen verfeinern konnte, sondern weil sie eine hervorragende Beobachtungsgabe entwickelt hat. Denn wer mit nicht-sprechenden Menschen arbeitet, lernt schnell, auf kleinste Signale zu achten und Dinge zwischen den Zeilen wahrzunehmen. So merkt sie früh, wenn etwas nicht stimmt. Dann geht sie dem behutsam nach. Lässt erzählen, anstatt zu fragen und sieht dadurch vieles mehr. Wo kommt wirklich etwas zurück? Wo braucht es noch Zeit? Dafür bedarf es Feinfühligkeit, Wohlwollen und manchmal auch ein stoisches Durchhaltevermögen. All das vereint Gabi in sich. Und genau deswegen wird sie nicht nur von den Kindern und Kolleg*Innen geschätzt, sondern ihr Engagement wirkt weit über ihre eigentliche Arbeit hinaus.
Gabi ist die Vertrauenspädagogin im Verein, führt mit dem Bereichsleiter den Sprecherrat und betreut das betriebliche Eingliederungsmanagement. Sie ist das Sprachrohr zwischen Leitung und Kindern. Sie vernetzt, wo es geht, gibt Rat, wo er gefragt ist und Halt, wo er gebraucht wird.
Dabei kam Gabi zum ALEP e.V. in einer Zeit, in der ihr eigenes Leben ins Wanken geraten war. Die Abteilung für beeinträchtigte Senior*Innen, die sie über viele Jahre mit aufgebaut hatte, wurde geschlossen. Gleichzeitig war sie alleinerziehend mit zwei kleinen Kindern. Schichtarbeit war damals keine Option. Sie musste sich beruflich und persönlich völlig neu sortieren – und lernen, selbst Hilfe anzunehmen. Vielleicht gelingt ihr gerade deshalb der Zugang zu den Kindern und Jugendlichen so gut. Weil sie weiß, wie es sich anfühlt, sich von unten wieder nach oben zu kämpfen.
Früher hat Gabi vieles mit sich allein ausgemacht. Heute weiß sie, wie wichtig Austausch ist. Supervision, Gespräche im Team, gegenseitige Unterstützung – all das hat für sie einen neuen Stellenwert bekommen. Besonders wichtig ist ihr dabei die Zusammenarbeit im Team. Unterschiedliche Fähigkeiten, Blickwinkel und Persönlichkeiten empfindet sie nicht als Herausforderung, sondern als Bereicherung. Gerade dadurch entsteht, was für die Kinder und Jugendlichen spürbar wird: Halt, Verständnis und echte Gemeinschaft.
Wenn Gabi erzählt, was ihre Arbeit bedeutet, spricht sie selten von Erfolgen im klassischen Sinne. Es geht um eine tief empfundene Freude, wenn sie Kinder aus einer schwierigen Lebenssituation in eine bessere Zukunft begleitet. Vielleicht ist das genau der Grund, warum Gabi sagt: „Es ist ein Job, wie für mich gemacht.“
„Die Arbeit beim ALEP e.V. macht mich sehr glücklich. Allein, wenn die Kinder kommen und sich freuen, dass ich da bin, oder sich dafür bedanken, dass sie mit uns reden können. Da merke ich, wie sehr man doch gebraucht wird und wie toll es ist, dass ich diese Arbeit ausführen darf.“
CASSANDRA
Sozialpädagogin , Kleinklasse Berlin
Cassandra gibt sich nicht so schnell zufrieden – und das ist gut so. Sonst wäre sie vermutlich nicht dort angekommen, wo sie immer hinwollte: in einen Beruf, der sie erfüllt.
Schon früh stand für sie fest, dass sie im sozialen Bereich tätig sein möchte. Sie träumte davon, Lehramt zu studieren. Doch der Studienplatz blieb aus. „Zum Glück“, sagt Cassandra heute. Denn erst, weil sich diese eine Tür schloss, konnte sich eine andere öffnen. Sie begann ihr duales Studium und wurde direkt nach dem Abschluss vom ALEP e.V. in einer Einrichtung für unbegleitete minderjährige Geflüchtete übernommen.
Die Arbeit mit den Jugendlichen machte ihr Spaß. Und trotzdem hatte sie das Gefühl, dass ihr etwas fehlte, weil ihre eigentliche Leidenschaft woanders lag. Sie wollte zurück zu den Schulkindern, zu dieser besonderen Lebensphase, in der noch so vieles in Bewegung ist und kleine Impulse große Unterschiede machen. Als beim ALEP e.V. eine interne Stelle als Sozialpädagogin in genau diesem Bereich frei wurde, musste sie nicht lange überlegen und ergriff die Chance.
Heute betreut Cassandra acht Kinder einer sonderpädagogischen Kleinklasse - wovon es gerade einmal fünf in ganz Reinickendorf gibt. Das Besondere an diesem Konzept ist nicht nur die Klassengröße. Die Kinder werden zudem von einem multiprofessionellen Team begleitet: Lehrkräften, Erziehern und einer Sozialpädagogin wie Cassandra. Ergänzt wird das Team durch eine Familientherapeutin, die eng mit den Eltern und Fachkräften zusammenarbeitet, denn viele der Kinder haben emotionale, soziale oder geistige Beeinträchtigungen. Vor allem aber haben sie schon früh die Erfahrung gemacht, nicht in ein System zu passen, das von ihnen erwartet, auf eine ganz bestimmte Weise zu funktionieren. Oft stehen sie vor der Wahl: Entweder sie unterdrücken ihre Individualität, Kreativität oder gleich ihr ganzes Wesen, um sich in die bestehende Ordnung zu pressen - oder sie scheitern. Cassandra sieht die Lösung woanders. Nicht die Kinder sollen sich anpassen. Die Gesellschaft muss Wege bereiten, das System mit den Kindern in den Einklang zu bringen.
Die Arbeit im Team ist dabei das Wichtigste überhaupt. Denn die Bedürfnisse der Kinder sind so unterschiedlich, dass das keine einzelne Person allein auffangen könnte. Gelingt es die Aufgaben gemeinsam zu schultern, dann greift alles ineinander und es werden auf einmal Fortschritte erzielt, die nach außen unscheinbar wirken und doch einen gewaltigen Unterschied machen. Zum Beispiel, wenn ein Kind morgens wieder gern in die Schule kommt oder wie selbstverständlich „Bitte“ und „Danke“ sagt. Wenn die Kinder dann noch ihren "secret handshake“ mit Cassandra austauschen und am Ende des Tages wenigstens ein Mal von ganzem Herzen gelacht wurde, dann weiß Cassandra, was sie an diesem Tag geleistet hat.
Am Ende ist es genau das, was Cassandra den Kindern mitgeben möchte: Ihr eigener Weg ist der Richtige – und es gibt Menschen, die so lange an sie glauben, bis sie diesen selbst gehen können.
„ALEP e.V. ist mein place to be!“
GABRIEL
Erzieher, BJW Sachsen-Anhalt
Gabriel ist niemand, der zuerst fragt, was er bekommt – er fragt, was er geben kann, um die Welt ein Stück besser zu machen.
Sein Vorbild ist dabei sein Vater, der als Pastor eine Gemeinde in Nigeria begleitet. Wie er, stellte sich Gabriel schon früh die Frage, welchen gesellschaftlichen Beitrag er leisten kann, um denjenigen Hoffnung zu schenken, die sie am meisten brauchen. Um seiner Nächstenliebe auch beruflich Ausdruck zu verleihen, entschied sich Gabriel in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Theologiestudiums kam er 2019 nach Deutschland, um hier seinen Master zu absolvieren – und ist seither geblieben.
Denn so tief Gabriel mit seinem Glauben verwurzelt ist, so sehr fühlt er sich auch seinem gesellschaftlichen Auftrag verpflichtet. Die Frage, was Theologie in der Praxis für ihn wirklich bedeutet, ließ ihn nicht los. Während er sich in Nigeria nach einer Stelle umsah, sprach ihn einer seiner Studienkollegen an. Er erzählte Gabriel vom ALEP e.V., von den Jugendlichen, die dort betreut werden und von einer offenen Stelle in der Intensivgruppe des Projekts „Arbeit, Lernen und Wohnen“, am Standort Klepps.
Seit nunmehr vier Jahren begleitet Gabriel hier junge Menschen im Alter von 13 bis 20 Jahren, die vorübergehend oder dauerhaft nicht in ihren Familien leben können. Gemeinsam mit seinen Kolleg*innen bietet er ihnen ein verlässliches soziales Umfeld und klare Strukturen, die den Jugendlichen helfen, ihre Selbstmotivation und eine realistische Lebensplanung wiederzufinden oder gar neu zu entwickeln. Gabriel stärkt dabei nicht nur ihre sozialen Kompetenzen, sondern auch ihre „Ich-Stärke“ – das Vertrauen in sich selbst und die eigenen Fähigkeiten.
Gemeinsam übernehmen Gabriel und sein Team vieles von dem, was eigentlich Eltern für ihre Kinder tun würden. Sie unterstützen die Jugendlichen in ihrer schulischen und beruflichen Entwicklung, helfen rund um die Aus- und Weiterbildung und stehen ihnen bis hin zur späteren Arbeitsplatzsuche zur Seite. Entsprechend eng ist die Bindung zwischen den Betreuer*innen und den jungen Menschen. Fast so wie in einer zweiten Familie.
Genau das macht die Arbeit für Gabriel aus, der selbst vor nicht allzu langer Zeit Vater geworden ist. Durch die Jugendlichen hat auch er gelernt, was es heißt, ein Kind bis ins Erwachsenenleben zu begleiten, es zu unterstützen, ernst zu nehmen und gemeinsame Ziele auszuhandeln. Besonders erfüllt es Gabriel daher zu erleben, wie die Jugendlichen nach zwei oder drei Monaten wirklich ankommen, wie sie Vertrauen fassen und Schritt für Schritt über sich hinauswachsen.
Gabriel weiß, dass man nicht allen Menschen auf der Welt helfen kann. Aber man kann dort anfangen, wo man ist, und von diesem Ort aus versuchen die Welt ein Stück besser zu machen. Diesen Ort hat Gabriel beim ALEP e.V. in Klepps für sich gefunden.
„Mit Menschen zu arbeiten, ist nie einfach. Aber die Arbeit mit Geflüchteten liegt mir sehr am Herzen, weil ich weiss, dass es nicht einfach ist, hier in Deutschland anzukommen, gerade wenn man einen Migrationshintergrund hat.“
LINA
Sozialpädagogin, BJW Berlin
Bei manchen Menschen ist es einfach so. Sie sehen es als ihre Aufgabe, anderen Menschen zu helfen, sagt Lina und meint damit vielleicht auch ein bisschen sich selbst. Bereits ihr erstes Praktikum hat sie in einer Migrationsklasse absolviert. Danach folgte das Bachelorstudium für Soziale Arbeit und parallel die regelmäßige Tätigkeit beim ALEP e.V.
Sie weiß, dass es den Jugendlichen guttut, Lina dort zu sehen und in ihr eine vertraute Bezugsperson zu haben. Doch die Beziehungsarbeit, die damit einhergeht, ist kein Job, bei dem man Termine absolviert und dann nach Hause geht. Dieser Beruf erfordert emotionale wie organisatorische Flexibilität. Es ist herausfordernd, stetig mit Menschen in Verbindung zu stehen, Konflikte innerhalb der Gruppe zu lösen und manchmal auch mehr zu leisten, als auf dem Gehaltszettel steht. Das funktioniert für Lina nur, weil sie beim ALEP e.V. mit einem starken und harmonischen Team ein gemeinsames Ziel verfolgt: die Jugendlichen, so gut es geht, auf ihrem Weg zu begleiten.
Linas eigener Weg begann an einer Schule, an der 25 Nationen vertreten waren. Sie war stets von einer reichhaltigen kulturellen Vielfalt umgeben, die sie in ihrer Jugend positiv geprägt hat. Bisher hat sie sich in Deutschland immer sehr wohl gefühlt, doch dieses Gefühl bröckelt. Die politischen Umbrüche der letzten Jahre und die sich immer weiter verschärfende mediale Darstellung von Menschen mit Migrationshintergrund haben nicht nur bei Lina Spuren hinterlassen.
Umso mehr schätzt Lina es, dass beim ALEP e.V. kultureller Austausch kein reines Lippenbekenntnis ist, sondern tatsächlich gelebt wird. Da in ihrer Einrichtung am Hindenburgdamm der größte Teil der Jugendlichen muslimisch ist, wird zusammen Ramadan gefeiert und das Fasten mit einem gemeinschaftlich gekochten Essen gebrochen. Viele der gebürtigen deutschen Mitarbeiter*innen lernen dadurch unglaublich viel von den Jugendlichen und können so einen noch intensiveren Bezug zu ihnen aufbauen. Die Jugendlichen wiederum bekommen die deutsche Kultur nähergebracht. So entstehen ein gegenseitiger Austausch, ein Lernen und eine Offenheit, die Lina gerade in den heutigen Zeiten von der Gesellschaft im Allgemeinen vermisst.
Lina will dazu auffordern, manche Botschaften aus Politik und Medien kritisch zu hinterfragen. Und sie will dazu animieren, sich ein eigenes Bild von den positiven Seiten gesellschaftlicher Vielfalt zu machen. Damit am Ende nicht nur Vereine wie der ALEP e.V., sondern alle dazu beitragen, Geflüchteten ein neues Zuhause zu schaffen, die sonst keines mehr haben.
„Alep e.V. ist für mich eine zweite kleine Familie.“
KAI
Erzieher in Ausbildung, BJW Brandenburg
Manchmal sind es die unerwarteten Wendungen im Leben, die einen genau dorthin führen, wo man eigentlich schon immer hingehört hat. Für Kai war es ein Arbeitsunfall nach fast 30 Jahren auf dem Bau, der alles veränderte. Plötzlich stand er vor der Frage: Wie geht es weiter? Die Antwort lag näher, als er dachte – in einem Wunsch, der schon lange in ihm schlummerte: mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten.
Mit Ende vierzig wagte er den Neuanfang und folgte in die Fußstapfen eines alten Kindergarten-Freundes, der ebenfalls nach Jahren als Handwerker die Ausbildung zum Erzieher stemmte. Heute, knapp vier Jahre später, steht Kai kurz vor seinem Abschluss. Dass er diesen Weg erst später im Leben gegangen ist, sieht er nicht als Umweg, sondern als Gewinn. Er hat in der Zwischenzeit zwei Kinder großgezogen, Lebenserfahrung gesammelt und viele Herausforderungen gemeistert. Genau das bringt er heute in seiner Arbeit ein. Mit einem Schmunzeln sagt er, dass es für diesen Beruf von Vorteil sei, wenn man „einen kleinen Knall“ hat. Denn das hier ist kein Nine-to-Five-Job. Der Alltag ist fordernd: Schichtdienste, Wochenendarbeit, lange Tage. Wer hier arbeitet, ist da, wenn die Kinder und Jugendlichen ihn brauchen – manchmal bis spät in den Abend.
Kai weiß, wovon er spricht. Auch für ihn selbst war der Anfang nicht einfach: Jeder Erzieher begleitet ein sogenanntes Bezugskind. Als Kai seines zugeteilt bekam, war schnell klar, das wird nicht leicht. Sie machte ihm von Anfang an deutlich, dass sie ihn nicht mag. „Also wirklich gar nicht“, erinnert er sich und muss dabei lachen. Doch Beziehungen brauchen Zeit. Und die hat Kai investiert. Nach fast vier Jahren sind die beiden zusammengewachsen. „Das Vertrauen kommt, wenn die Kinder oder Jugendliche merken, dass man wirklich für sie da ist und sich für sie engagiert und sie überall da unterstützt, wo sie Hilfe brauchen.“ bekräftigt er.
Diese Begleitung reicht bis in die sogenannte Verselbstständigung. Eine Phase, die je nach Entwicklung ab etwa dem 15. Lebensjahr beginnt und mit dem Auszug aus dem ALEP-Haus endet. Zur Vorbereitung ziehen immer zwei Jugendliche in den Trainingswohnbereich unter dem Dach, jeder mit eigenem Zimmer, gemeinsam genutzter Küche und Bad. Sie kochen selbst, versorgen sich eigenständig und erhalten ihr wöchentliches Budget. Die Erzieher begleiten sie dabei. Sie gehen gemeinsam einkaufen, sprechen über Ausgaben, zeigen, wie man mit Geld umgeht und Verantwortung für den eigenen Alltag übernimmt. Ziel ist es, dass die Jugendlichen später selbstständig leben können – und nicht komplett hilflos von neuem anfangen müssen. Das Konzept geht auf: Vor Kurzem kam eine ehemalige Bewohnerin zurück. Sie war vor zwei Jahren ausgezogen. Heute hat sie eine Ausbildung und lebt in ihrer eigenen Wohnung.
Zu sehen, wie sich ein Leben so positiv entwickelt, und dass seine Arbeit dazu beigetragen hat, ist für ihn eine schöne Bestätigung. Auch dafür, dass sein eigener Weg zum ALEP-Haus in Borgsdorf, so unerwartet er begonnen hat, ihn genau dahin geführt hat, wo er hingehört.
„ALEP e.V. bedeutet für mich Entwicklung. Einerseits für die betreuten Familien, andererseits, auch für mich, da ich persönlich viel mitnehmen kann.“
JAMAL
Psychologe B.SC., Kleinklasse Berlin
Der Wunsch, mit Kindern zu arbeiten, kam für Jamal erst spät auf seinem beruflichen Weg.
Den entscheidenden Anstoß gab ihm eine Professorin während seines Psychologiestudiums. Sie vermittelte eindrücklich, dass viele psychische Erkrankungen ihre Wurzeln bereits in der Kindheit haben. Diese einfache Erkenntnis brachte Jamal zum Nachdenken – und schließlich zu der Entscheidung, seinen beruflichen Schwerpunkt dorthin auszurichten, wo er früh und nachhaltig etwas bewegen kann: bei Kindern, Jugendlichen und in der ambulanten Familienhilfe.
Seit letztem Jahr arbeitet Jamal bei den CHAPS, einer sonderpädagogischen Kleinklasse in Berlin Reinickendorf. Hier finden Kinder mit besonderem Förderbedarf im Bereich der emotionalen und sozialen Entwicklung einen Platz. Am Vormittag werden sie schulisch unterstützt, am Nachmittag spielerisch in ihren sozialen Kompetenzen gestärkt. Ziel ist es, dass sie mit neuer Zuversicht aus der Schulkrise hervorgehen und – wenn möglich – wieder in ihre Ursprungsklasse zurückkehren.
Damit dieses Ziel erreicht wird, braucht es einen kontinuierlichen Austausch sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen Fachkräften, wie Jamal, und den Kindern mit ihren Familien. Denn jedes Kind bringt seine ganz eigene Geschichte und Herausforderungen mit, auf die individuell eingegangen werden muss. Jamal sieht darin eine der größten Aufgaben in der ambulanten Hilfe. Man lässt sich immer wieder neu auf Familien ein, nimmt jedes Problem als eigene Hürde eines jeden Betroffenen wahr. Das erfordert Geduld, Disziplin und einen ständigen Abgleich zwischen dem, was man erreichen möchte, und dem Stand, an dem die Familie gerade ist.
Als Berufsanfänger war das für Jamal ein Drahtseilakt: sich mit offenem Herzen auf die Familien einzulassen und trotzdem nicht die Schicksale mit nach Hause zu nehmen. Anfangs glaubte er, dass „mehr machen“ auch "mehr hilft“, erläutert Jamal. Dabei ist ein emotionaler Abstand essenziell, um am nächsten Tag wieder mit voller Kraft gemeinsame Lösungswege entwickeln zu können. Wer dauerhaft helfen möchte, muss erst einmal gut für sich selbst sorgen, das ist ihm heute klar.
Wenn er nach Hause kommt, legt Jamal sein Arbeitshandy und seinen Terminplaner bewusst in den Schrank und öffnet beides erst wieder mit Beginn des nächsten Arbeitstages. Eine ebenso wichtige Rolle spielt das Kollegium für ihn. Viele Fragen und Probleme, die Jamal früher tagelang mit sich herumgetragen hätte, lassen sich heute in einem gemeinsamen Gespräch lösen. Der fachliche Austausch hilft ihm dabei, neue Perspektiven zu gewinnen, und Belastendes wieder loszulassen. Genau dieses Miteinander und das Gefühl, nachhaltig etwas positiv bewegen zu können, machen den Beruf für Jamal so besonders.
Wenn er und sein Team manchmal auch nur kleine Erfolge in einer größeren Zeit sehen, so sind es trotzdem Erfolge, die nachhaltig sind. Für das Kind, für die Familie. Und für Jamal.
„Der ALEP e.V. ist für mich wie ein großes Haus, das mit seiner leuchtenden Fassade
schon von Weitem Optimismus ausstrahlt. Mit offenen Türen, durch die jeder gehen
kann, etwa die Jugendlichen, die Eltern, unsere Kooperationspartner, unsere tollen
Lehrer oder die Jugendamtsmitarbeitenden.“
ANDREA
Einrichtungsleiterin, Tageseinrichtung
Genau diesen Ort hat Andrea vor knapp drei Jahrzehnten mit ihren Mitstreitern zum Leben erweckt. Mit viel Elan, Kreativität und gelber Farbe verwandelten sie eine alte Stadtvilla im Südosten Berlins in einen neuen ALEP-Standort für schuldistanzierte Jugendliche.
Andrea war damals gerade aus Holland nach Berlin zurückgekommen mit ihrer Familie - und zehn Jahren praktischer Berufserfahrung als Psychologin, als sie die Annonce des ALEP e.V. entdeckte. Sie fing sofort Feuer. Ihre positive, anpackende Energie übertrug sich. Andrea gefiel es, wie viel kreative Freiheit und Vertrauen ihr entgegengebracht wurde. Sie bekam den Job und legte los. Gemeinsam mit einem Kollegen erschloss sie das Gelände, richtete das Haus ein und entwickelte ein pädagogisches Konzept. Ziel war es, einen Ort zu schaffen, an dem schuldistanzierte Jugendliche wieder an das Lernen herangeführt werden. Vor allem aber an sich selbst.
Hier geht es nicht um Zensuren- und Leistungsdruck, sondern um die Entwicklung jedes einzelnen. Hier wird Lernen praktisch erfahrbar: durch Handwerk, kreative Projekte, Arbeit im Garten oder gemeinsames Kochen. Andrea und ihr multifunktionales Team, bestehend aus Erzieher*Innen, Sozialpädagog*Innen, Familientherapeut*Innen und Psycholog*Innen, schauen genau hin. Sie holen die Jugendlichen da ab, wo sie stehen. Dabei geht es aber nicht darum, ihnen ihre Probleme abzunehmen. Im Gegenteil, sie wollen hier nicht die Problemlöser sein, bekräftigt Andrea. Die Jugendlichen sollen durch eigenes Tun und intensive Beziehungsarbeit seitens der Betreuer*Innen erfahren, dass sie selbst wirksam sind. Dass nicht jede Antwort vorgegeben sein muss, dass sie sich ausprobieren und eigene Wege finden dürfen. Und dass es wichtiger ist, den Umgang mit Problemen zu erlernen, als immer sofort eine perfekte Lösung zu haben. Wenn dieser Ansatz gelingt, verändert sich viel. Dann stehen die Jugendliche morgens wieder auf, kommen regelmäßig ins Haus, entwickeln Motivation, beginnen sich einzubringen.
Am schönsten aber ist es, wenn die Jugendlichen sich direkt an Andrea wenden und sich bedanken - etwa dafür, dass sie sich jetzt wieder stark genug fühlen und mehr möchten: zurück in die Schule gehen.
Neben ihrer Arbeit findet Andrea Kraft im Leistungssport. Als Masters-Ruderin nimmt sie regelmäßig an internationalen Regatten teil, gewinnt Medaillen. Aus dieser Verbindung zwischen körperlicher Herausforderung und mentaler Stärke schöpft sie die positive Energie, die sie bis in ihre Arbeit hineinträgt.
Auch wenn Andrea die Leitung des Standorts zum Ende des Jahres abgeben wird, bleibt sie dem ALEP e.V. und dem Haus in der Wuhlheide als Familientherapeutin verbunden und somit weiterhin Teil dieses Ortes, den sie von Grund auf mit aufgebaut hat: ein Ort, an dem das Glas immer halb voll ist.
„Meine Vision ist es, den Jugendlichen das bestmögliche Leben für die Zeit, in der sie bei uns sind, zu ermöglichen. Ob mir das gelungen ist, sehe ich, wenn die Jugendlichen nach vielen Jahren wieder zu Besuch kommen – und sich das Leben für sie, im besten Falle, in die richtige Bahn gefügt hat.“
BENJAMIN
Einrichtungsleiter, BJW Berlin
Benjamins Weg zum ALEP e.V. begann vor über 15 Jahren mit einem Hinweis seiner Lehrerin. Sie kannte den Träger und empfahl ihn für ein Praktikum. Benjamin gefiel die Arbeit so gut, dass er beschloss, zu bleiben. Nach seiner Ausbildung arbeitete er zunächst als Erzieher im Schichtdienst, in einer 24-Stunden-Wohngruppe. Heute ist er Einrichtungsleiter im Betreuten Wohnen mit einem kleinen, aber feinen Team von fünf Fachkräften, drei Wohneinheiten und zehn Jugendlichen.
Das Besondere an Benjamins Position: Er ist beides - Chef und Teammitglied zugleich. Er kümmert sich um das Administrative, kämpft sich durch immer neue, bürokratische Vorgaben und staatliche Rahmenbedingungen. Gleichzeitig geht er in der Wohngruppe seiner pädagogischen Arbeit nach. Besonderen Wert legt er dabei auf Kollegialität und gemeinsame Reflexion über einzelne Fälle.
Denn Benjamin und sein Team betreuen die Jugendlichen nicht nur in ihrem Alltag. Sie fangen ihre persönlichen Schicksale auf und geben ihnen das Rüstzeug mit, damit sie sich irgendwann ihre Wünsche und Träume von einer eigenen Familie, einem guten Job und einem dauerhaften Bleiberecht in Deutschland selbst erfüllen können. Und damit einen wertvollen Teil der Gesellschaft bleiben.
Gerade weil Benjamin schon so lange beim ALEP e.V. ist und die vielen Seiten dieser Arbeit kennt, ist es ihm wichtig, dass sein Team die nötigen Rahmenbedingungen bekommt, um ihrer Arbeit mit Freude und Engagement tagtäglich nachzugehen. So individuell die einzelnen Hilfen für die Jugendlichen gestaltet werden, so individuell soll sich auch das Team an den Alltag der Jugendlichen und deren Bedürfnisse anpassen können.
Natürlich gibt es dabei Hierarchien und vorgegebene Ziele - ohne die ginge es nicht. Doch durch Flexibilisierung von Arbeitszeiten oder gezielte Fortbildungen sollen die Mitarbeiter in ihrer Arbeit wertgeschätzt werden. Denn diesen Beruf auszuüben, bedeutet mehr als einer Tätigkeit nachzugehen. Es bedeutet einen Mehrwert für die Gesellschaft zu schaffen.
ALEP e.V. ist für Benjamin daher mehr als ein Arbeitgeber. Für ihn ist es „ein familiärer Träger in der Kinder- und Jugendhilfe, der für seine Beschäftigten, vor allem aber für die Klienten, die bei ihnen leben, ein Zuhause sein kann.“
„ALEP e.V. ist für mich ein toller Träger, der Kinder und Jugendliche in vielfältigen Bereichen dabei unterstützt, gestärkt in ihre Zukunft zu gehen.“
JENNIFER
Erzieherin, Tageseinrichtung Berlin
Nach 15 Jahren als Erzieherin im Kita-Bereich war für Jennifer klar: Es ist Zeit für eine neue berufliche Herausforderung – und die fand sie im ALEP-Haus in der Wuhlheide. Im Frühjahr 2025 eröffnete dort eine neue Tagesgruppe. Aufgrund von Personalwechsel wurde eine Stelle frei und Jennifer ergriff die Chance: Sie bekam den Job und war zunächst allein für die Jugendlichen verantwortlich, bis sich das heutige Team gefunden hatte. Es war eine intensive Zeit. Fachlich vieles neu und organisatorisch fordernd.
Gleichzeitig war diese Phase von großer inhaltlicher Freiheit und Vertrauen seitens der Leitung geprägt. Jennifer konnte ihre eigenen Ideen einbringen und ihren Arbeitsalltag aktiv mitgestalten. Die Leitung blieb dabei immer ansprechbar, wenn Fragen oder Unsicherheiten aufkamen. Dank einer Mischung aus eben genau dieser kreativen Freiheit, dem entgegengebrachten Vertrauen sowie dem professionellen Rückhalt, ist Jennifer an der Herausforderung gewachsen. Diese Erfahrung gibt sie heute an die Jugendlichen weiter.
Ein Beispiel dafür ist ihr Kochprojekt. Mittwochs und Donnerstags geht Jennifer mit den Jugendlichen einkaufen. Sie vergleichen Preise, überlegen gemeinsam, was sie zubereiten möchten und was es zu beachten gilt. Dann wird geschnippelt, vorbereitet und gemeinsam gekocht. Am Ende sitzen alle zusammen am Tisch. So erlebt jeder in der Gruppe Selbstwirksamkeit. Ein Gemeinschaftsgefühl entsteht, das viele so bisher nicht kannten.
Denn der emotionale Rucksack, den viele mitbringen, ist schwer. Aufgrund von Krankheitsbildern oder Verhaltensauffälligkeiten haben sie in der Regelschule oft keine Perspektive mehr. In der Tagesgruppe bekommen sie eine zweite Chance. Sie lernen in kleinen Gruppen, schließen Wissenslücken und arbeiten Schritt für Schritt auf einen Abschluss oder die Rückkehr an das Schulsystem hin. Damit das gelingt, steht die Beziehungsarbeit an erster Stelle. Sie ist die Grundlage für alles Weitere. Manchmal wird die Tagesgruppe dann sogar zu einem zweiten Zuhause. Eine Art Ersatzfamilie. Und wo Nähe ist, entstehen auch Konflikte. Doch genau darin liegen die Chancen für die Jugendlichen, sich selbst besser zu verstehen und zu reflektieren. Was lief nicht gut? Woran kann ich arbeiten?
Um all das zu begleiten und die bestmögliche Betreuung bieten zu können, ist der Zusammenhalt im Team besonders wichtig. Je enger das Team zusammenarbeitet, desto besser gelingt die Arbeit – und desto mehr Freude entsteht im Alltag. Daher hat Jennifer für die Zukunft auch einen klaren Wunsch: dass das Team, so wie es ist, weiter zusammenwächst und gemeinsam mit den Jugendlichen eine gute Zeit gestaltet.
Jennifer ist für sich selbst ebenfalls auf der Suche nach der nächsten Herausforderung. Sie möchte gerne einige Weiterbildungen machen, vielleicht noch studieren. Vieles ist offen. Doch eines steht für sie fest: Ihre Zukunft liegt hier – im ALEP-Haus in der Wuhlheide.
„Der ALEP e.V. ist für mich ein zuverlässiger Arbeitgeber, der mir immer wieder Neues bietet."
PATRICIA
Familientherapeutin, Berlin
Fragt man Patricia, wo sie sich in fünf Jahren sieht, meldet sich zunächst die Vernunft: Eigentlich könnte sie ihr Arbeitspensum längst reduzieren. Doch da ist noch diese andere Seite in ihr. Die neugierige, die lebendige, die Lust auf neue Herausforderungen hat. Diese beiden Anteile geraten bei der Zukunftsplanung manchmal aneinander, erzählt Patricia lachend. Daher wird sie erstmal weitermachen wie bisher: Voller Freude und Hingabe für ihren Beruf als Familientherapeutin.
Aktuell ist Patricia sowohl in der Tagesgruppe, einer teilstationären Kinder- und Jugendhilfe-Einrichtung, als auch in den ambulanten Hilfen tätig. Gerade die fallbasierte Arbeit gibt ihr dabei die Möglichkeit, ihren Arbeitsalltag in weiten Teilen selbstbestimmt so zu strukturieren, wie es für sie sowie ihre Klientinnen und Klienten am sinnvollsten ist. Die Freiheit schätzt sie sehr. Diese Flexibilität braucht es gleichzeitig auch. Denn die meisten Familien, die Patricia begleitet, befinden sich in einer tiefen, persönlichen Krisensituation. Es geht um hoch konflikthafte Trennungen der Eltern, um familiäre Auseinandersetzungen und immer häufiger auch um Fälle im Bereich des Kinderschutzes. Hinter jeder dieser Situationen stehen Menschen, die oft nicht mehr wissen, wie es weitergehen soll. Dann ist es an Patricia und ihrem Team, gemeinsam mit den Familien nach Wegen zu suchen, die Halt geben, entlasten und die Gesamtsituation Schritt für Schritt verbessern können.
Diese Arbeit verlangt ein hohes, fachliches Können, Feingefühl und ein starkes Miteinander im Team. Ebenso braucht es die Fähigkeit, gut für sich selbst zu sorgen. Patricia weiß, wie wichtig es ist, rechtzeitig zu spüren, wenn eine Situation etwas in einem selbst „triggert“. Dann hilft es, einen Schritt zurückzutreten und sich ehrlich zu fragen: Kann ich das gerade gut begleiten? Kann ich neutral bleiben? Bin ich im Moment wirklich noch hilfreich? Oder braucht es jetzt den Blick einer Kollegin oder eines Kollegen?
Genau darin liegt für sie die große Stärke der Teamarbeit: Man ist nicht allein. Gerade der Austausch nach schwierigen Gesprächen und die Möglichkeit, Fälle gemeinsam zu besprechen, ist nicht nur für die Therapeuten entlastend. So entstehen neue Perspektiven und oft ein tieferes Verständnis für das, was eine Familie gerade wirklich braucht. Was das bewirkt, zeigt sich für Patricia manchmal erst im Rückblick. Etwa dann, wenn sie nach einem halben Jahr einen Fallbericht schreibt und noch einmal vor Augen führt, was das ursprüngliche Ziel war und was in der vorgegebenen Zeit erreicht werden konnte. Gibt es Veränderungen? Waren sie und ihr Team hilfreich? Und vor allem: Empfindet die Familie das auch so?
Fragt man sie nach persönlichen Erfolgen, erinnert sich Patricia besonders an eine Familie, bei der die Mutter keine Leistungen vom Jobcenter erhielt. Weder sie noch ihre drei Kinder waren dadurch krankenversichert. Patricia und das Team setzten alles daran, die Situation zu klären und erreichte innerhalb von nur zwei Wochen, dass die Mutter doch noch einen Bewilligungsbescheid bekam. Es sind genau diese Momente, die Patricia mit großer Freude erfüllen. Momente, in denen spürbar wird, welchen Unterschied ihre Arbeit macht. Und vielleicht sind sie auch einer der Gründe, warum Patricia auch in Zukunft genau dort weitermachen will, wo sie etwas bewirken kann: beim ALEP e.V.
„Die Arbeit mit den Jugendlichen bedeutet für mich, ihnen die Sicherheit zu geben, dass sie hier ein Stück zu Hause sind. Besonders schön ist es, wenn ich dann irgendwann merke, dass sie sich auf mich verlassen. Wenn sie wissen, dass sie jederzeit zu mir kommen können – egal, was ist.“
ABU LEIL
Sozialpädagoge in Ausbildung, BJW Berlin
Abu Leil wurde als palästinensischer Flüchtling in Syrien geboren. Im Zuge des Bürgerkriegs floh er nach Deutschland und kam 2016 selbst als unbegleiteter Jugendlicher in eine Wohngruppe des ALEP e.V.. Fragt man Abu Leil, was Heimat für ihn bedeutet, kann er das kaum beantworten. Er kennt das Gefühl schlichtweg nicht.
Was er beim ALEP e.V. allerdings fand, hätte er wohl selbst nicht für möglich gehalten: Es wurde sein neues Zuhause. Denn nur knapp ein Jahr nach seiner Ankunft bot ihm der Träger die Möglichkeit, als Erzieher zu arbeiten. Darauf folgten seine Erzieherausbildung und schließlich das Studium der Sozialen Arbeit.
Abu Leils größter Vorteil - und zugleich seine größte Herausforderung – ist es, in der täglichen Arbeit beide Kulturen zu vereinen, die er in sich trägt. Einerseits versteht er, was der Staat und die deutsche Gesellschaft von den Jugendlichen erwarten. Andererseits weiß er genau, wie es sich anfühlt, in einem völlig fremden Land und einer anderen Kultur anzukommen.
Zu reflektieren, auf welcher Seite man steht und dabei immer wieder den Spagat zwischen beiden Welten zu meistern, ist eine Lebensaufgabe für Abu Leil, die ihn wohl ewig begleiten wird. Umso dankbarer ist er dem ALEP e.V., aus diesem scheinbaren Widerspruch den Grundstein für sein Berufsleben legen zu können.
Die Arbeit und der Zusammenhalt im Team sind ihm dabei das Allerwichtigste. Im täglichen Austausch kann jeder auf die Erfahrungswerte des anderen zurückgreifen und so den eigenen Horizont erweitern. Gerade weil Abu Leil selbst nicht von Geburt an in Deutschland sozialisiert wurde, ist seine Perspektive auf spezifischen Fragen dabei manchmal besonders gefragt. In einem guten Team kann man eben so viel mehr erreichen als allein, bekräftigt Abu Leil.
Die schönsten Momente sind für ihn die Erfolgserlebnisse. Wenn er sieht, dass die Jugendlichen ihren Weg finden. Wenn sie eine Ausbildung beginnen. Wenn er merkt, dass sie mit seiner Hilfe langsam, aber sicher, ankommen – so wie er es einst tat. Denn manchmal braucht es einen Menschen wie Abu Leil, um aus zwei vermeintlich unterschiedlichen Welten eine gemeinsame zu machen.

















































